LTE-Backup

Redundanz schafft Sicherheit!

Außer im Datenbankbereich trifft dieser Satz in jeder Lebenslage zu. Festplatten laufen mindestens im RAID 1, Servernetzteile sind doppelt verbaut, im Auto führen wir einen Ersatzreifen mit uns und laut einer nicht-repräsentativen Umfrage hat jeder von mir interviewte Brillenträger mindestens eine Ersatzbrille.

Internetleitungen redundant Auslegen?

Manch einer ist der Ansicht, dass die gebuchte Internetleitung durch Service Level Agreements und durch eine möglicherweise zugesicherte Verfügbarkeit von 99,9% im Jahresmittel ausreichend gegen einen Internetausfall abgesichert ist. Rechnen wir einmal nach: 0,1% vom Jahr sind etwas über 8,5 Stunden und auch SLA’s sind meistens auf 8 Stunden ausgelegt. Das sind immerhin 8 – 8,5 Stunden in denen das Internet nicht funktioniert. Soweit die Theorie. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Was passiert, wenn SLA’s überschritten werden oder die Verfügbarkeit auf unter 99,9% sinkt? In erster Linie funktioniert weiterhin die Internetverbindung nicht. Für den Internetausfall jenseits der vereinbarten SLA’s oder Verfügbarkeit, wird Ihr Provider vermutlich die Ausfallzeit gemessen an den monatlichen Kosten anteilsmäßig erstatten. Stellt man die Erstattung den Kosten der Nichtverfügbarkeit der Internetverbindung gegenüber, kann man (oder das Controlling) schnell ausrechnen, wie hoch die tatsächlichen Kosten des Ausfalls der einzigen Internetleitung sind.

Redundante Internetleitungen zu kompliziert und zu teuer?

Das ist nicht zwangsläufig so. Zwar kann man eine Fallback Option aus doppelter Hauseinführung, VRRP-Cluster mit ADSL-, VDSL-, SDSL- und LTE von 3 unterschiedlichen Providern installieren, allerdings genügt oftmals eine einfachere Variante für den Einstieg in die „nie wieder offline“-Welt.  Nachstehend möchte ich Ihnen zwei etablierte Modelle aus der Praxis vorstellen, die vertretbare Mehrkosten verursachen und eine höhere Fehlertoleranz in Sachen Leitungsausfall erlauben:

LTE Backup – Übertragung durch die Luft

LTE zeichnet sich dadurch aus, dass das Medium Luft genutzt wird. Was des LTE-Backups größter Vorteil ist, ist auch gleichzeitig ihr größter Nachteil. Zwar kann kein Bagger der Welt die luftige Verbindung trennen, jedoch spucken einem Faktoren wie belaubte Bäume, hohe Gebäude, Überbuchung innerhalb der Funkzelle, wärmeisolierte Fensterscheiben gehörig in die Suppe. Zuletzt spielt der Standort der Empfangstechnik die größte Rolle. Eine Außenantenne sorgt für besseren Empfang und somit für eine höhere Übertragungsrate. Ob Ihr Standort für den Einsatz der LTE-Backuptechnik in Frage kommt ist leicht zu prüfen. Schauen Sie einfach mal auf Ihr Smartphone. Ist dort LTE (4G) verfügbar? Falls ja, wie stark ausgeprägt ist der Empfang? Ist die LTE-Technik nicht verfügbar, kann 3G (oder H bzw. H+)  mit der gleichen Technik betrieben werden. Immerhin werden so bis zu 7,2 Mbit/s im Downstream übertragen. 4G oder 3G ist außerordentlich gut mit jeder DSL-Technik zu verheiraten. In unserem Hause setzen wir dafür derzeit auf die Cisco 1900er Serie. Dort finden in einem einzelnen Gerät bis zu 3 HWIC-Module Platz. Eins der Moduleinschübe wird mit einem SDSL-, VDSL- oder ADSL-Modem bestückt, während der nächste Moduleinschub mit einem LTE-Modul bestückt ist. Fällt die DSL-Leitung aus, dauert es ca. 30 Sekunden bis das LTE-Backup einspringt. Es geht also nahezu nahtlos weiter. Zwar nicht mit der gewohnten Bandbreite, jedoch bleiben Sie online. Sind wir nicht früher alle auf dem Gepäckträger unserer Freunde mitgefahren und haben uns dann gesagt „lieber schlecht gefahren als gut gelaufen“?

Beispiel einer LTE Fallback Option
Beispiel einer LTE Fallback Option

Nachfolgend eine Auflistung der Vor- und Nachteile eines LTE-Backups:

Vorteile

  • Ausfall der Hauptleitung wird durch das LTE-Backup abgefangen
  • Besserer Schutz vor Erdarbeiten in der Umgebung
  • automatischer Wechsel auf das Backup im Fehlerfall und automatischer Wechsel auf die Hauptleitung nach Störungsbehebung
  • bei gutem Empfang sind hohe Bandbreiten möglich

Nachteile

  • Umwelteinflüsse beeinträchtigen den Empfang
  • je nach Tarif ist das Datenvolumen begrenzt

HSRP von Cisco – 2 Router, 1 Cluster, doppelte Sicherheit

Im Gegensatz zu der oben genannten 1-Router-Lösung schützt ein HSRP-Cluster zusätzlich vor einem Routerdefekt. Auch hier können verschiedenste Verbindungstechniken miteinander koexistieren. So wird beispielsweise ein Router für die Nutzung einer SDSL-Verbindung als Hauptleitung konfiguriert (Master oder Primary) und ein weiterer Router für eine ADSL-Backup-Verbindung konfiguriert (Slave oder Secondary). Über diese zwei Router erstreckt sich das HSRP als Cluster. Beide Router sind über einen Switch miteinander verbunden und erhalten jeweils eine IP-Adresse. Per Multicast teilt der Master seine Präsenz mit, dem sogenannten „Heartbeat“. Dem Cluster wird eine eigene virtuelle IP-Adresse zugewiesen, die im Netzwerk üblicherweise als Gateway bekannt ist. Somit wird dem Netzwerk eine einzige IP-Adresse präsentiert, über die der Datenverkehr abgehandelt wird. Im Normalbetrieb übernimmt der Master sämtliche Funktionen. Fällt dieser Aufgrund einer Leitungsstörung oder eines Defektes aus, übernimmt der Slave innerhalb kürzester Zeit sämtliche Funktionen. Sobald die Störung am Master behoben wurde, übernimmt dieser ohne Unterbrechung den Hauptbetrieb.
Das Cluster kann sich, je nach Anforderung, über mehr als nur zwei Geräte erstrecken.

Beispiel eines HSRP-Cluster Backups
Beispiel eines HSRP-Cluster

Vorteile

  • Ausfall der Hauptleitung wird durch das HSRP-Cluster abgefangen
  • Defekt eines Routers wird durch das HSRP-Cluster abgefangen
  • automatischer Wechsel auf das Backup im Fehlerfall und automatischer Wechsel auf die Hauptleitung nach Störungsbehebung
  • freie Wahl der Leitungstechnologien

Nachteile

  • höhere Leitungskosten
  • doppelter Stromverbrauch
  • doppelter Platzbedarf

Nachrüsten und Umrüsten

Sie denken über eine Nachrüstung oder Umrüstung um ein Backup Ihrer Internetanbindung nach? Das Team von VPN Deutschland steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Ob es dabei um eine MPLS-Anbindung oder eine Internetanbindung geht, spielt bei der Backup-Frage eine eher untergeordnete Rolle.

 

Eric Sieker

Eric Sieker

Seit Sommer 2016 bei VPN Deutschland. Zuständig für den technischen Support in den Bereichen MPLS, Internetleitungen, VoIP und Fortinet.

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