Cloud Computing

Cloud Computing – Von Realitätsfremden und Datenschützern

Datenschutz. Das ist das Reizwort, welches als Synonym für ewiggestrig, altbacken und realitätsfremd zu dienen scheint. Doch nun einmal von Anfang…

Für den Cloud Monitor 2017 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG wurden 554 Personen befragt, die vornehmlich aus dem C-Level Management stammen. Dabei sind die Verantwortlichen insbesondere in Sorge (67%), dass Compliance-Anforderungen und damit Datenschutz als eine Säule des zweiten Reizworts im Business-Jargon – Compliance – nicht eingehalten werden könnten. Grundsätzlich lässt sich mit Bezug zu der Umfrage festhalten, dass Zurückhaltung bei der Speicherung personenbezogener Daten in der Wolke besteht. Und ganze 77% der Befragten gaben an, dass es doch reichlich schick wäre, wenn der Anbieter seinen Hauptsitz auch in der EU hätte.

Und nun die – zugegebenermaßen – provokante, spitzfindige Frage: Fordert das der Datenschutz?

Die Antwort bewusst offen lassend, ist mit Blick auf die Datenschutzgrundverordnung zunächst festzuhalten, dass Verstöße gegen selbige keineswegs eine Bagatelle sind. Kaum ein Kommentator zum neuen Datenschutzrecht im „alten Europa“ kommt um die bis zu 20 Millionen Euro herum, die als Damoklesschwert über den Köpfen der Verantwortlichen baumeln und jederzeit hinuntersausen können. Und die Angst, welche geschürt wird von dieser gigantischen Zahl, vervielfacht sich schier mit jeder weiteren Wiederholung bis sich Entscheider in der Wirtschaft eher für Cloud Computing fear (Europa) als Cloud Computing fun (Rest der Welt) entscheiden. Aber dann ist der Widerspruch schnell vergessen, wonach Datenschutz in der Cloud schwieriger umzusetzen sei als im internen Netzwerk, andererseits die Sicherheitsvorfälle verglichen zwischen Public Cloud und internem Netzwerk bei ersterem weniger sind. Und selbstverständlich sind es dann immer die Berater, die Ewiggestrigen, die Altbackenen und Realitätsfremden, welche sagen, dass Cloud Computing böse sei und Datenschutz-Compliance in diesem undurchdringlichen, wolkigen Gebilde schier nicht vorhanden oder zu gewährleisten sei.

Weitere unanständige Frage: Behindern Berater den Fortschritt?

Diplomatische Antwort: Das kommt darauf. Denn nicht alles, was dem Geschäftszweck dient ist gleichsam rechtlich statthaft. Demnach soll ein Berater für Rechtssicherheit sorgen und wird dennoch gescholten für eine Entscheidung, die er lediglich auf der Grundlage von Gesetzen abgewogen hat. Falsch ist, dass „der Datenschutz“ grundsätzlich jeden Datentransfer in Drittstaaten (Staaten außerhalb der Europäischen Union) untersagen oder sanktionieren würde. Richtig hingegen ist, dass eine unaufgeregte Auseinandersetzung mit Auftragsdatenverarbeitungsvereinbarungen, Standardvertragsklauseln und dem Privacy Shield nicht schaden würden, um zumindest etwas mehr Sachlichkeit an den Tag zu legen. Aber, und dies sollte man auch nicht verschweigen, natürlich gibt es über den Datenschutz hinaus Vorgaben, etwa aus dem Kreditwesengesetz (KWG) oder internen Richtlinien, welche bestimmte Datenarten per se von einer Speicherung in der Cloud ausschließen.

Feststellung: Cloud Computing ist eine Option.

Und zum Abschluss ein gänzlich anderer Gedanke, der – Sie ahnen es – den Datenschutz streift. Real und die Deutsche Post experimentieren mit Gesichtserkennung. Dabei ist Videoüberwachung in Supermarktfilialen und auf anderen öffentlichen Plätzen nicht der Rede wert. Aber diese Technik ist besonders pfiffig, da bei Betrachtung eines Werbebildschirms etwa das geschätzte Alter und das Geschlecht des Interessierten aufgenommen und darauf bezogen zielgruppengerechte Werbung ausgeworfen wird. Ja, wie aus einem Getränkeautomat. Uniform und genormt. Irgendwie befremdlich, wenn man die Neigung vieler Mensch bedenkt sich abheben zu wollen und nicht in einer Schublade zu stecken. Viel zu eng. Und jetzt haben wir den alten Diskurs: Datenschutz vs. Freiheit.

Sind die Datenschützer – Ewiggestrigen, Altbackene und Realitätsfremde sondergleichen – nicht in Wahrheit diejenigen, welche die Entwicklung sehen und begleiten wollen, wenn auch nicht um jeden Preis? Und diesmal bleibe ich abermals die Antwort schuldig, da ich jedem Leser ein Urteil zutraue und zubillige. Eigenständig.

Alexander Jung

Alexander Jung

Seit 08/2016 bei der SK-Consulting Group GmbH als Senior Consultant Datenschutz mit einem Fokus auf der systematischen Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung und begleitenden Sondernormen.

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